Mittwoch, 07. April 10 um 13:22 Alter: 8 yrs

Holzhauerin macht "Unkraut" salonfähig

Von: Angelika Neumann / Freie Presse

Kräuterfrau Kerstin Lehmann gibt Tipps zum Kochen mit Wildkräutern - Erste geführte Tour auf Lehrpfad startet am 8. Mai

Holzhau. Die ersten Wildkräuter sprießen bereits. Die Holzhauer Kräuterfrau Kerstin Lehmann freut sich schon auf ihre Gäste. Sie führt Interessierte über den Kräuterlehrpfad von Rechenberg-Bienenmühle. Am 8. Mai startet die erste Tour vom Burghof in Rechenberg.Vieles steht an dem rund zwei Kilometer langen Weg auf den Bergwiesen, was in der Küche zu Schmackhaftem verarbeitet werden kann. Sauerampfer, Wiesenbärenklau und Brennnessel versprechen nicht nur kulinarische Genüsse, sondern sind auch sehr gesunde Beigaben. Zwei Stunden lang spaziert Kerstin Lehmann mit ihren Gästen querfeldein. "Je nach Jahreszeit kann ich auf 40 bis 45 Pflanzen aufmerksam machen", erzählt sie. "Gepflückt wird dabei nichts, ich gebe den Besuchern nur Tipps fürs Selbstsammeln."Im Frühjahr eignet sich nach ihrer Ansicht beispielsweise das Wiesenschaumkraut bestens für das Verfeinern von Frischkäse und im Sommer die Wurzeln des Wiesenbocksbarts als Ersatz für Schwarzwurzeln. Im Herbst sind für sie vor allem die Früchte von Hagebutte, Weißdorn und Holunder interessant. Die Kräuterpirsch endet rund 100 Meter vom Lehmannschen Grundstück entfernt. "Wer will, kann sich dann noch meinen Garten anschauen und sich Anregungen holen", so die Naturliebhaberin. "Die meisten haben schon Minze, Salbei und ähnliches angebaut, aber es gibt ja noch viel mehr."Kerstin Lehmann hat sich einen kleinen Heilkräutergarten angelegt. Schilder geben Auskunft darüber, was wofür verwendet werden kann. Für die Psyche sind Johanniskraut, Hopfen und Melisse gut, Schafgarbe, Rotklee und Frauenmantel gelten als Frauenkräuter, und Beinwell, Ringelblume und Spitzwegerich zählt die Holzhauerin zu den Pflanzen für Haut und Knochen.Ihr Wissen um die Kräuter brachte Kerstin Lehmann ausCarslfeld mit, wo sie bis vor knapp drei Jahren wohnte. Dort absolvierte sie eine einjährige Ausbildung zur Kräuterpädagogin und lernte das Kochen mit Brennnesseln, Giersch und Co. "Es war schon immer mein Hobby. Löwenzahnhonig zum Beispiel habe ich in jedem Frühjahr zubereitet, aber die Wildkräuter bieten ja noch viel mehr Möglichkeiten", weiß sie. Am Wochenende kocht die Diplomingenieurin für Maschinenbau, die als Lehrausbilderin für Maschinenbautechnik in Brand-Erbisdorf arbeitet, meist mit Kräutern und probiert auch immer wieder einmal etwas Neues aus. Der Ehemann und ihre drei Kinder lieben solch ungewöhnlichen Gerichte wie Brennnessel-Giersch-Quiche oder Kräuterschnecken mit Frischkäse. "Wenn man es geschickt macht, merkt keiner, dass man ,Unkraut' isst", verrät sie. Eine Spezialität des Hauses sind in Eierkuchenteig ausgebackene Kräuter: "Das isst jedes Kind." Auch getrocknet werden die grünen Schätze von den Wiesen vor der Haustür. Im Winter geben sie schmackhafte Tees ab. Für die Familienapotheke füllt die Kräuterfrau stets einige Töpfchen mit selbst gemachter Ringelblumen- und Beinwellsalbe. Damit kuriert sie kleinere Blessuren.Ihre Leidenschaft für die Kräuterküche gibt Kerstin Lehmann auch an der Freiberger Volkshochschule weiter. An vier Abenden bereiten die Teilnehmer aus selbst gesammelten Pflanzen ein kleines Menü mit Getränk sowie Vor- und Hauptspeise zu. Meist Frauen nutzten bisher dieses Angebot, das durchaus auch die Kochkünste der Männer bereichern könnte.


 
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