„Wenn kein Salz im Haus ist, dann mangelt es am besten Gewürz“

Dieses Sprichwort könnte das Lebensmotto von Albrecht Bergmann, dem Seniorchef der Waldheimer Gewürze GmbH sein, denn er befasst sich schon seit Jahrzehnten beruflich mit Gewürzen, Kräutern und Salz. Er war Stadtrat von Waldheim und als Hobbyhistoriker beschäftigt er sich heute in seiner Freizeit mit der Erforschung der Geschichte seiner Vaterstadt, welche der „Alten Salzstraße“ ihren ersten wirtschaftlichen Aufschwung verdankt. Salz war in früheren Zeiten ein kostbares Gut und brachte den Salzkaufleuten großen Reichtum. Wie Perlen an einer Schnur liegen deshalb an dieser Straße berühmte Städte.

Waldheim und die Bergmanns - der "Seifenbergmann"

Seit mehr als 150 Jahren sind die Geschichte der Stadt Waldheim und die Geschichte der Familie Bergmann eng miteinander verknüpft. Es begann alles mit dem Ururgroßvater Adolf Heinrich August Bergmann. Er gründete ein Materialwarengeschäft und handelte mit all den Dingen, die man im Haus und Hof so benötigt. Er war ein umtriebiger Mann, der sich selbst durch schwere Schicksalsschläge nicht entmutigen ließ, obwohl er bei dem Stadtbrand 1832 alles verlor. Er war Mitglied der Stadtvertretung und tat viel für seine Heimatstadt und ihre Bürger. Getrieben von immerwährendem Forscherdrang und dem Studium der Schriften Justus Liebigs, beschäftigte er sich mit Chemie und experimentierte mit verschiedensten Dingen.

Nach 1850 erfand Adolf Heinrich August Bergmann, als Apotheker an der „Alten Salzstraße,“ die Zahnseife und ab 1857 stellte er auch Haarwuchs-, Schönheits-, und Milchseife her. Nachfolger Bergmannscher Produkte hat jeder schon einmal in Händen gehalten, denn seine ehemalige Firma trägt immer noch den Namen Florena und ist heute ein eigenständiges Tochterunternehmen des Beyerkonzerns. Der Sohn von Adolf Heinrich August Bergmann, Richard Bergmann, übernahm die Firma des Vaters. Später übergab der sie an seinen Sohn, der ebenfalls den Namen Richard Bergmann trug. Dieser führte sie bis 1946, dann wurde er enteignet. Fragte man in Waldheim nach ihm, dann musste man sich nach dem „Seifenbergmann“ erkundigen.

Die Zigarrenbergmanns

Es gab in der Stadt noch eine zweite Familie Bergmann, die sich der Tabakverarbeitung zugewandt hatte und kurzerhand „Zigarrenbergmann“ hieß. 1855 gründete Heinrich Robert Bergmann, ein weiterer Sohn von Adolf Heinrich August Bergmann, seine Zigarrenfabrik und wurde somit zum Stammvater dieses Familienzweiges, deren direkter Nachfahre heute Albrecht Bergmann ist.

Heinrich Robert Bergmann war ein erfolgreicher Fabrikant und Kaufmann. Er arbeitete als Stadtverordneter, Stadtrat und Mitglied des Kirchenvorstandes. Er baute Armen- und Krankenhaus und verfasste den Entwurf einer neuen Schulordnung. Außerdem beteiligte er sich rege an der Reorganisation der Steuerverhältnisse. Auch ihm wurde, wie schon seinem Vater, der seinerzeit die Große Goldene Verdienstmedaille aus der Hand des Sachsenkönigs Friedrich August erhielt, königliche Ehre zuteil. 1877 besuchte König Albert von Sachsen die Zigarrenfabrik und Heinrich Robert Bergmann führte ihn höchstpersönlich durch das Objekt am Obermarkt 8 und das vierstöckige Fabrikgebäude am Obermarkt 9a.

Ein weiterer „Zigarrenbergmann“ soll nicht unerwähnt bleiben. Heinrich Köhler Bergmann ist ebenfalls ein Sohn von Adolf Heinrich August Bergmann und  gründete 1864 ebenfalls eine Zigarrenfabrik. Er arbeitete ebenfalls im Stadtrat von Waldheim mit und erwarb sich besonders im Bereich des Feuerlöschwesens große Verdienste. Er war Organisator und Oberanführer der Freiwilligen Feuerwehr. Kurz: Nichts Wichtiges wurde in Waldheim ohne Heinrich Köhler Bergmann getan. Er war stets fleißig und bescheiden. Leider erkannte man seine große Bedeutung für die Stadt erst nach seinem Tode.

Zurück zum anderen „Zigarrenbergmann“. 1883 verstarb Heinrich Robert Bergmann plötzlich und unerwartete an einem Gehirnschlag. Sein Sohn Max Bergmann trat die Nachfolge an und übernahm die Leitung der väterlichen Firma.

1905 feierte die Firma ihr 50-jähriges Bestehen und es wurde die „Heinrich-Robert-Bergmann-Stiftung“ mit einem Stammkapital von 25 000 Reichsmark gegründet.

Die alten Fabrikgebäude reichten bald nicht mehr aus, sodass weitere Grundstücke erworben werden und 1909 der Gebäudekomplex Bergmann’s Hof auf dem Obermarkt 9/10 errichtet wurde. Er ist auch heute noch in Waldheim von großer Bedeutung und ist architektonisches Wahrzeichen und kultureller Treffpunkt der Stadt.

Die Söhne von Max Bergmann, Ulrich und Hermann, begannen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Arbeit in der väterlichen Zigarrenfabrik. Die Stumpenproduktion wurde aufgebaut. 1941 verstarbt Max Bergmann und seine Söhne leiteten gemeinsam die Fabrik, auch in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. Sie ging an ihnen nicht spurlos vorbei und erst 1946 kamen sie aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Es begann die schwierige, entbehrungsreiche Zeit des Wiederaufbaus.

Während Hermann Bergmann in den Westen Deutschlands ging, blieb Ulrich Bergmann in Waldheim und leitet seit 1950 die väterliche Fabrik allein. Er erlebte Jahre einer wechselvollen Geschichte aus Enteignung, Reprivatisierung, Betrieb mit staatlicher Beteiligung und erneuter Verstaatlichung. Während dieser Zeit entstanden aber auch mehrere neue Produktionsgebäude als Anbau an das alten Objekt. 1966 trat sein Sohn Albrecht Bergmann in die Firma ein.

Am 1. Mai 1972 wurde der VEB Waldheimer Stumpen gegründet und Albrecht Bergmann wurde Betriebsdirektor. Er versuchte das väterliche Erbe, den Bergmann’s Hof, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, zu erhalten. Das war zu DDR- Zeiten bestimmt kein leichtes Unterfangen.

1980 feierte man 125 Jahre Tabakproduktion in Waldheim  und ein Jahr später, 1981, wurde die Zigarrenproduktion auf Weisung des Ministerrates der DDR eingestellt.

Die Gewürzbergmanns

Am 1. September 1981 wurde im gleichen Haus der VEB Waldheimer Gewürze gegründet. Albrecht Bergmann blieb Betriebsdirektor und stand plötzlich vor ganz neuen Herausforderungen. Er musste jetzt, auf staatliche Verordnung hin, seine Nase in Lorbeer- und nicht mehr in Tabakblätter stecken. Aus dem „Zigarrenbergmann“ wurde der „Gewürzbergmann“. Es begann ein vollkommen neues Kapitel der Familiengeschichte, das bis heute seinen Lebensinhalt bestimmt.

Wenige Jahre nach der angeordneten Umprofilierung des Betriebes kam die politische Wende und mit ihr die Treuhand. Sie wandelte das Werk in die Waldheimer Gewürze GmbH um und wurde zu 100% alleinige Gesellschafterin. Wieder begann der Kampf um das Überleben der Firma.

Doch Albrecht Bergmann wäre kein „Bergmann“, wenn er nicht auch in dieser Situation nach einem Ausweg gesucht hätte. Er gründete gemeinsam mit Hans- Joachim Bänsch den Service Bund Gebietszentrale Mittelsachsen, einen Lebensmittelgroßhandel für Großverbraucher, zunächst als Tochterunternehmen der Waldheimer Gewürze GmbH. Am 1. Januar 1991 wurde der Service Bund eine eigenständige GmbH.

Am 1. Januar 1993 wird die Waldheimer Gewürze GmbH reprivatisiert und die andere Firma verkauft. Albrecht Bergmann wird Geschäftsführender Gesellschafter der Waldheimer Gewürze GmbH. Die Firmenphilosophie von absoluter Zuverlässigkeit und Fairness im kaufmännischen Handeln bewährt sich seit Jahrzehnten. Die Firma garantiert Qualität und Frische der Produkte, da nur bei ausgewählten Zulieferern eingekauft wird und nur frisch vermahlene Gewürze verwendet werden.

2002 setzt die 5. Generation, die älteste Tochter von Albrecht Bergmann, Grit Hendrich, die Familientradition fort. Sie arbeitet gemeinsam mit ihrem Ehemann Uwe im väterlichen Unternehmen und ist jetzt die geschäftsführende Gesellschafterin der Waldheimer Gewürze GmbH.

2009, 100 Jahre nach seiner Fertigstellung, wird der Gebäudekomplex Bergmann’s Hof  umfassend rekonstruiert und wird zum Schmuckstück Waldheims. Er ist heute eine moderne Begegnungsstätte für alle Generationen. Es finden vielfältigste Veranstaltungen statt, die auch sozial benachteiligte Menschen nicht ausschließen.

Die umfangreiche und wechselvolle Familiengeschichte der Bergmanns lässt sich mit den berühmten Worten von Gustav Mahler in einem Satz zusammenfassen.

„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“

Kontakt:

Grundstücksverwaltung Bergmann’s Hof

Inh. Albrecht Bergmann

Obermarkt 9

04736 Waldheim

Tel.: 034327/ 9610

Fax: 034327/ 96155

www.bergmanns-hof-waldheim.de

Mehrgenerationen Haus Waldheim e.V.

Obermarkt 9

04736 Waldheim

Tel.: 034327/660037

Fax: 034327/660038

www.mgh-waldheim.de

 

Waldheimer Gewürze GmbH

Inh.: Frau Grit Hendrich

Landsberger Str. 60

04736 Waldheim

Tel.: 034327/ 9610

Fax: 034327/ 96155

www.waldheimer-gewuerze.de

Waldheimer Gewürze GmbH bietet für Einzelhandel und Gewerbe ein großes Angebot an:

  • Kräutern
  • Gewürzen
  • Gwürzsalzen
  • Gewürzmischungen
  • Pilzen
  • Marinaden
  • Senf
 
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