Auf zum Kräuterabenteuer ins Kretzgärtchen am Dorfmuseum Gahlenz

Das bäuerliche Leben in früheren Zeiten war ein Leben von und mit der Natur. Der Bauer beobachtete die Tiere und Pflanzen ganz genau, um den günstigsten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu ermitteln. Er musste sich in der Natur auskennen, denn er war ja unmittelbar von ihr abhängig. Auf dem Bauernhof herrschten strenge Regeln. Kein Bewohner hatte das Recht umsonst zu Essen, es sei denn, er war krank. „Wer Essen will, muss auch arbeiten“, so hieß es landläufig und schon die Kinder wurden in diesem Sinne erzogen. Sie mussten zeitig in Haus und Hof helfen und ganz selbstverständlich ihren Teil der bäuerlichen Arbeit übernehmen. Sie wurden überall hin mitgenommen und während die Erwachsenen ihre übliche Feldarbeit erledigten, sammelten die Kinder Kräuter. So lernten sie beim Spielen Huflattich, Schafgarbe, Kamille, Quendel, Spitzwegerich, Beifuß, Weißdorn, Hagebutten und natürlich auch die Brennnessel kennen. Ihre Sammelergebnisse wurden zu leckeren Marmeladen, erfrischenden oder wärmenden Tees verarbeitet. Sie wurden zum Würzen der Speisen, als Heilmittel für Mensch und Tier oder einfach nur als Viehfutter verwendet.

Karin Ullrich, die Leiterin des Dorfmuseums in Gahlenz, hat das in ihrer Jugend noch genau so kennen gelernt. Sie ist auf einem Bauernhof groß geworden, denn schon die Großeltern und auch die Mutter waren Bauern. Sie selbst jedoch wurde Grundschullehrerin und die Natur dient ihr als Ort der Erholung und Entspannung.

Im Jahre 1992 ergab sich für Frau Karin Ullrich eine ganz neue Aufgabe. Man brauchte eine Museumsleiterin, denn in ihrem Heimatort Gahlenz wurde ein historisches Gehöft zum Dorfmuseum umgestaltet. In diesem denkmalgeschützten Dreiseitenhof sammelt, dokumentiert, erforscht und präsentiert der örtliche Heimatverein Sachzeugen des dörflichen Lebens vom 19. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Nachweislich wurde das Gehöft seit 1653 bewirtschaftet. Viele Gegenstände aus bäuerlichen Haushalten der Region sind in den Räumen des Wohnstallhauses zu besichtigen. Frau Karin Ullrich hat bestimmt einige von diesen Dingen noch selbst benutzt und kann ihre Funktionsweise am praktischen Beispiel erklären. Das ist besonders spannend für die Besucher des Museums. Sie können Ausstellungen zum Futtermittel-, Getreide- und Kartoffelanbau, zur Milchwirtschaft, zum Leinanbau und dessen Verarbeitung sowie der Wasserwirtschaft besichtigen. Ein Pferdegöpel im Museumshof sorgt für den Antrieb der Dreschmaschine in der Scheune. Die Scheune beherbergt vor allem größere landwirtschaftliche Maschinen.

Hauptanliegen in der Konzeption des Museums ist es, die traditionelle Landwirtschaft und das regionale Handwerk, welches über Jahrhunderte das Leben der Menschen bestimmte, zu zeigen und die Erinnerungen und das Wissen darüber zu erhalten. Die Geschichte des Örtchens Gahlenz, das heute ein Ortsteil von Oederan ist und direkt an der Alten Salzstraße liegt, wurde in der Vergangenheit unter anderem von der Leinerzeugung und Verarbeitung geprägt. Dem aktuelleren Teil der Gahlenzer Geschichte, dem holzverarbeitenden Handwerk, ist ebenfalls ein Großteil der Ausstellung gewidmet.

Was aber wäre ein Dorfmuseum in dem den Besuchern die bäuerliche Lebensweise nahe gebracht werden soll, ohne einen eigenen, wunderschönen Bauerngarten? Hier gibt es einen ganz traditionellen Küchenkräutergarten, dem „Kretzgärtchen“, wie er noch heute in und um Gahlenz genannt wird. Er verdient ganz besondere Beachtung. Über 30 verschiedene Pflanzen gedeihen auf den Beeten. Er wurde gleich zu Beginn der Museumseröffnung im Jahre 1992 angelegt. Hier wachsen viele der Heil- und Würzpflanzen, die im bäuerlichen Haushalt Verwendung fanden und auch heute wieder viele Liebhaber besitzen. Wenn die Besucher mit Museumsleiterin Karin Ullrich durch den Garten gehen, dann dürfen die Pflanzen selbstverständlich angefasst, Zweige und Blätter in den Händen zerrieben, berochen und ihr Geschmack getestet werden. Ganz besonders gern wird die Gelegenheit von Kindergartengruppen und von Kindern mit Behinderung angenommen. Es kann sogar selbst geerntet und das Erntegut anschließend zu frischem Kräuterquark verarbeitet werden, der selbstverständlich gleich verkostet werden muss. Das ist eine leckere und gesunde Erfahrung und macht Lust auf mehr. Ein tolles Mitbringsel für die Eltern ist der von den Kindern selbst angesetzte Kräuteressig. „Das hab ich selbst gemacht!“ können sie dann voller Stolz berichten.

Frau Karin Ullrich hat übrigens ein kleines, ganz persönliches „Kräuter ABC“ zusammengestellt, das sich die Gäste als Erinnerung an den Besuch im Dorfmuseum Gahlenz oder als praktische Anleitung zum Kräutersammeln mit nach Hause nehmen können.

Kontaktadresse:

Dorfmuseum Gahlenz

Gahlenzer Straße 105

09560 Oederan  / OT Gahlenz

Tel/ Fax : 037292 / 20 975

DorfmuseumGahlenz@web.de

Karin Ullrich

Gahlenzer Straße 65

09560 Oederan OT Gahlenz

Tel.: 037292 / 21 117

 
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