Barbara von Schönberg - die Purschensteinerin (* - 1599)

“Frau Barbara war eine vortreffliche Mutter und eine erfahrene Hauswirthin, welche von der Churfürstin ANNA sehr oft zu Rathe gezogen wurde. Sie verstand es nicht nur, aus den duftigen Kräutern und Beeren des Gebirges Leckerbissen und heilsame Getränke zu bereiten, sondern sie war auch im Besitze vieler Hausmittel, mit welchen sie oft aushelfen musste. Daher war die “Purschensteinerin“, wie die Mutter ANNA sie vorzugsweise nannte, an allen mit dem Churhause verbundenen Höfen eine  wohlbekannte und geachtete Edelfrau, deren Rathschläge und Heilmittel weit und breit in Ansehen standen. Sie schickte der Fürstin Purschensteiner Brod und Semmel, da diese dem Dresdner Gebäck keinen Geschmack abgewinnen konnte, auch Käse und Kuchen, ein andermal Käse und Gwarge oder Quärklein, wahrscheinlich eine Art Fladen oder anderes Gebäck aus Quark, versprach auch von dem Branntweine, welchen sie aus schwarzen Hollunderbeeren brenne etwas zu schicken, wenn er wohl gerathen sei. Eben so sandte sie einige Büchsen mit schwarzem und rothem Hollunderbeermus oder Hollundersaft mit Zucker abgezogen, erbat sich dafür aber junge Obstbäume in den Garten zu Saida, worauf ihr die Churfürstin den 26. Septbr. 1584 100 Stück schickte. ... Oefter sandte sie Hundefelle, die damals vermuthlich auch gegen örtliche Übel gebraucht wurden, auch dankt ihr die Churfürstin den 3. Mai 1585 für “eine Kunst zur Stärkung der Glieder“, welche sie von derselben in ihrer letzten Krankheit erhalten habe.Die Churfürstin ANNA setzte in ihre Freundin zu Purschenstein ein unbedingtes Vertrauen und gab ihr zahlreiche Beweise des herzlichsten Wohlwollens.“

... so steht es in: "Geschichte des Geschlechtes von Schönberg Meissnischen Stammes", Erster Band, Die urkundliche Geschichte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, Albert Fraustadt, Verlag von Giesecke und Devrient, Leipzig, 1878

Barbara und ihr Ehemann Caspar von Schönberg hatten die verantwortungsvolle Aufgabe, für den Ausbau des Bergbaus, die Sicherung der Landesgrenze zu Böhmen und den allgemeinen wirtschaftlichen Aufbau ihres Herrschaftsgebietes rund um Sayda zu sorgen. Ihre Burgen Purschenstein, Pfaffroda, Frauenstein und ihr Herrschaftssitz in Sayda beherrschten die Alte Salzstraße direkt an der Grenze zu Böhmen. Aus den umfangreichen Niederschriften und Briefen der Kurfürstin Anna von Sachsen, die Barbara freundschaftlich verbunden war, geht hervor, dass die praktische Organisationder Haushaltung gerade zu dieser Zeit einen enormen Aufschwung nahm. Anna von Sachsen war der systematische Aufbau einer leistungsfähigeren Landwirtschaft zu verdanken, ebenso förderte sie die Erforschung und Vermittlung der Kräuterheilkunde im Land. Die Neuerungen der Renaissance verbreiteten Aufbruchstimmung im Erzgebirge. Gleichwohl war das 16. Jh. auch das Zeitalter der Pest. Die Krankheit wütete in mehreren Wellenim Land. Heilkundige standen in hohem Ansehen. Barbara von Schönberg stand im Austausch über die Themen der praktischen Haushaltung und der Heilkunst mit der Kurfürstin und förderte in ihrem eigenen Herrschaftsgebiet die Anwendung der neuen Erkenntnisse.

 
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