Hildegard von Bingen (1098 - 1179)

"Die Kräuter schenken einander den Duft ihrer Blüten; ein Stein strahlt seinen Glanz auf den anderen, und alles was lebt, hat einen Urtrieb nach liebender Umarmung ... Übervoll ist mein Herz, jedwedem Hilfe zu schenken. Ich nehme Rücksicht auf alle Not. Den Gebrechlichen helfe ich auf und führe sie zur Genesung. Salbe bin ich für jedes Weh und meine Worte tun wohl."

Kräuterfrau des Mittelalters

Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration und gibt sie an ihren Schreiber weiter. Miniatur aus dem Rupertsberger Codex des Liber Scivias

Hildegard von Bingen (geboren um 1098, gestorben am 17.09.1179) war Benedektinerin und gilt als die Kräuterfrau des Mittelalters... sie war aber noch viel mehr. Sie war Visionärin, geistige Ratgeberin, Schriftstellerin, Prophetin, Predigerin, Heilige und Künstlerin.

Ein umfangreicher Briefwechsel mit auch harschen Ermahnungen gegenüber selbst hochgestellten Zeitgenossen und Berichte über weite Reisen einschließlich öffentlicher Predigttätigkeit sind erhalten geblieben. Interessant für Biologie und Medizin sind ihre Abhandlungen über Pflanzen und Krankheiten. Nach 1150 verfasste Hildegard mit Causae et Curae (Ursachen und Heilungen) ein Buch über die Entstehung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Das zweite der naturkundlichen Werke heißt Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Buch über das innere Wesen (Beschaffenheit und Heilkraft) der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen“, weshalb Hildegard heute teilweise als erste deutsche Ärztin bezeichnet wird. Diese naturkundlichen Werke zählen u. a. zu den Standardwerken der mehr esoterisch orientierten Naturheilkunde. Zu ihrer Zeit waren Ärzte Klostermediziner und angebliche Wunderheiler; es gab kein wissenschaftliches Medizinstudium. Die Leistung Hildegards liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen nutzte. Sie entwickelte vor allem aber eigene Ansichten über die Entstehung von Krankheiten, Körperlichkeit und Sexualität. Eigene medizinische Verfahren entwickelte sie nicht, sondern trug lediglich bereits bekannte Behandlungsmethoden aus verschiedenen Quellen zusammen. Auch Edelsteine und Metalle bezog sie in ihre Behandlungsempfehlungen ein.

Der Gedanke der Einheit und Ganzheit ist auch ein Schlüssel zu Hildegards natur- und heilkundlichen Schriften. Diese sind ganz davon geprägt, dass Heil und Heilung des kranken Menschen allein von der Hinwendung zum Glauben, der allein gute Werke und eine maßvolle Lebens-Ordnung hervorbringt, ausgehen kann.

Hildegards Birnenhonig...

Zu den sogenannten Hildegard-Heilmitteln gehört der "Birnenhonig":

Er sei hilfreich bei Migräne, Kopfschmerz oder Atembeschwerden.

Hildegard beschreibt den Birnenhonig mit folgenden Worten:

"Nimm aber Birnen und zerschneide sie, und wirf dabei ihre Kerne weg und koche sie stark im Wasser und zerquetsche, was wie Breimus wird, und nimm Bärenwurz und Galgant und weniger Pfefferkraut als Süßholz und lege sie in mäßig erwärmten Honig, und füge die vorgenannten Birnen bei, und mische es unter heftigem Rühren zusammen."

Übrigens wächst Bärwurz an der Alten Salzstraße im Erzgebirge in einer Höhe zwischen 500 und 800 Metern. Die erzgebirgischen Kräuterfrauen haben noch heute jede Menge Rezepte mit Bärwurz parat und helfen beim Zubereiten des Birnenhonigs der Hildegard von Bingen.

 
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