Von Kräutern, Mönchen und einer echten Königin

Bild: Ringelblume (Calendula officinalis)
Ringelblume (Calendula officinalis)

von Ralf Graupner und Catrin Bilz

Calendula officinalis, hinter diesem wohlklingenden lateinischen Namen verbirgt sich die in unseren Gärten weitverbreitete Ringelblume. Sie ist die Favoritin von Undine Myja, der Erzgebirgischen Kräuterkönigin 2005/2006. Kräuterfrau Undine Myja begegnen wir an der Freiberger Mulde, im Kloster Buch auf unserer Reise entlang der alten sächsisch-böhmischen Salzstraßen von der Salzstadt Halle nach der Goldenen Stadt Prag.

Kloster Buch

Im Zuge der Ostexpansion wanderten um das Jahr 929 unter König Heinrich I. deutsche Siedler, in das von Slawischen Stämmen bewohnte Gebiet zwischen Saale und Neiße, ein. Um ihren Besitzanspruch zu unterstreichen und zugleich Kaufleuten und den deutschen Siedlern Schutz zu bieten, entstanden überall im Land an strategischen Orten Schutzburgen. Eine solche frühmittelalterliche Burg wurde noch im 10. Jahrhundert nahe der heutigen Stadt Leisnig erbaut, gerade dort, wo die „Alte Salzstraße“ zwischen Halle und Prag  die Mulde quert.  Die Burgherren ließen den Flussübergang schützen, gewährten Geleite zur Sicherheit der Fuhrleute und hatten dadurch auch gesicherte Einnahmen in Form von Zöllen und Geleitsgeldern. Die inzwischen 1000 jährige Burg „Mildenstein“, das Wahrzeichen der Stadt auf dem gewaltigen Porphyrfelsen über dem Tal der Freiberger Mulde wurde  zum Zentrum des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in der Lehensherrschaft, Reichsburg, Gerichtszentrum, Verwaltungssitz, Gefängnis und ist heute Besuchermagnet und kulturelles Zentrum der Stadt.

Um das Jahr 1000 siedelten sich an dem etwa 2 km von der Burg flussabwärts gelegenen Übergang über die Mulde Kaufleute an. Handwerker wurden sesshaft, die fahrenden Händlern ihre Dienste anboten. Bauern und andere Gewerke folgten. So entwickelte sich nach und nach die Stadt Leisnig, die heute rund 6.500 Einwohner zählt.

Zu den ersten Siedlern gehörten auch  Mönche des Zisterzienserordens, die geistlichen Beistand boten. Die Mönche, deren geistiges Zentrum in Frankreich lag, lebten nach dem Glauben: der Weg zu Gott führt nur über Gebet und harte Arbeit. Wie ein Netz bauten sie Kloster um Kloster und breiteten sich in ganz Europa aus. So entstand um 1194 das Kloster „St. Marien“ in Buch bei Leisnig. In kurzer Zeit erlangten sie großen politischen und wirtschaftlichen Einfluss.  Die mit einem umfangreichen Wissen beschlagenen Mönche betrieben im Tal der Mulde sehr erfolgreich Landwirtschaft und Handel weit über den eigenen Bedarf hinaus. Auch die Kenntnisse der Zisterzienser über Kräuter und ihre Wirkung sind legendär. Mit der Reformation ging dieses Wissen verloren, denn 1525 wurde das Kloster aufgelöst und die Mönche vertrieben. Die ehemaligen Klosteranlagen verkamen zu regionalen Landwirtschaftsbetrieben. Trotzdem ist es rund 800 Jahre nach der Gründung  gelungen, wieder Leben in die alten Klostermauern zu bringen. Unter anderem können wieder drei Gärten, und zwar ein Krautgarten, ein Wabengarten und ein Arzneigarten sowie die rekonstruierte gotische Krankenkapelle und die inzwischen für Trauungen und Taufen genutzte Klosterkirche besichtigt werden.

Der Klosterladen bietet verschiedene in der klostereigenen Kräuterwerkstatt hergestellte Produkte und Dekorationen sowie weitere Erzeugnisse aus eigener Herstellung und vielfältigen Waren von ausgewählten sächsischen Partnern.

Undine Myja

Die drei thematischen Gärten im Kloster Buch tragen die Handschrift von Undine Myja. Der Krautgarten, der Wabengarten und der Arzneigarten laden zum Entdecken ein.

Im Kloster Buch nicht mehr wegzudenken ist Kräuterfrau Undine Myja. Sie sorgt nicht nur dafür, dass es in den Klostergärten wieder grünt und blüht. Im Veranstaltungskalender des Klosters Buch ist sie mit ihrem Thema Kräuter ständig präsent. Die gelernte Ingenieur-Ökonomin hat die Kräuter immer mehr in den Mittelpunkt ihres Lebens gerückt.

Dabei begann diese große Liebe eher zufällig. Nachdem sie plötzlich arbeitslos war, sollte sie mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme 1998 im ehemaligen Kloster die Ausstellung „Die faszinierende Welt der Kräuter“ mit aufbauen. Das spezielle Thema ließ Undine Myja, die sich selbst scherzhaft als „Kräuterhexe“ bezeichnet, nicht mehr los. Die drei thematischen Kräutergärten tragen eindeutig ihre Handschrift. Dazu waren nicht nur zahlreichen „Kräuterspenden“ notwendig. Undine Myja musste sich umfangreiches Fachwissen aneignen und einen Sachkundenachweis erlangen. Seit 2006 verdient die Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern nun mit ihrem ganz eigenen Kräuterwissen ihren Lebensunterhalt.

Die Ernennung zur Erzgebirgischen Kräuterkönigin bestätigte ihr, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. Geduldig gibt die geprüfte Kräuterfachfrau bei Vorträgen, Führungen, Seminaren und Kursen ihr Wissen an Interessierte weiter. Ihr großer Traum ist es, einmal ein Buch zu schreiben, in dem sie von ihren Erfahrungen und Wissen über Kräuter berichtet. Aber dazu findet sie im Moment keine Zeit. „Das wird erst, wenn ich alt und schrumpelig bin“, meint die umtriebige Kräuterfrau und eilt schon wieder von der Kräuterwerkstatt in den Garten.

Öffnungszeiten Kloster Buch:

von April bis Oktober: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag und  Feiertags 13 bis 18 Uhr

Führungen durch die Klosteranlage:

Sa, So, feiertags 14.30 Uhr, von November bis März immer Montag bis Freitag um 10 und um 16 Uhr

Kontakt:

Förderverein Kloster Buch e. V.
04703 Leisnig, Klosterbuch Nr. 1

Telefon: 034321/50352
Fax: 034321/50383

Email: KlosterBuch (at) t-online.de

Internet: http://www.klosterbuch.de

 
Deutsch
Čeština