Siedler, Silber, Salz und Kräuter

"Auf Gold kann man verzichten, nicht aber auf das Salz."

Cassiodor, Variae, 24 (537-538 n. Chr)

 

Die Alte Salzstraße entwickelt sich zu einem Länder verbindenden Erlebnisweg. (Salzstraßenexperte Toralf Richter)

Schon vor über 1000 Jahren zogen Salzhändler auf ihrem Weg von Halle nach Prag über den Erzgebirgskamm. Entlang dieser Wege kamen die ersten Siedler ins Gebirge. Im Jahre 1168 fanden Salzhändler bei Freiberg Silber. Dieser Fund löste das erste Berggeschrei aus. Der Bergbau brachte dieser Region Wohlstand und führte dazu, dass das Erzgebirge zum am dicht besiedeltsten Mittelgebirge der Welt wurde. Als sich der Bergbau nicht mehr lohnte, begann die Zeit der Spielzeugmacher.

Heute sind es der Naturpark, idyllische Dörfer mit traditionellen Bauerngärten und die alten Bergstädte mit ihren barocken Marktplätzen, die Touristen aus aller Welt in die deutsche und tschechische Montanregion Erzgebirge locken.

Was für die heutige Wirtschaft das Erdöl und Erdgas sind, war vor 1000 Jahren das Salz für die Menschen. Die Einen wurden reich, Andere mussten sich in Abhängigkeit begeben. Heute durchziehen Erdöl- und Erdgasleitungen ganz Europa, früher waren die Salzstraßen die Lebensadern der Wirtschaft.

In Europa gab es vor 1000 Jahren viele Salinen, einige Salzbergwerke und unzählige Salzgärten an den Meeren, in denen Salz gewonnen wurde. Die meisten davon hatten jedoch nur lokale Bedeutung. Nur an wenigen Orten wurde für den Fernhandel produziert. Das waren in Mitteleuropa Lüneburg, Halle, die Region um Salzburg und einige Salzgärten an der Adria, sowie im östlichen Mitteleuropa das Salzbergwerk Wieliczka.

Diese Orte mit ihren Handelsplätzen Lübeck, Magdeburg, Leipzig, Prag, Venedig und Rom sollen mit einer neuen „kulturtouristischen Alten Salzstraße“, einer Ferien- und Panoramastraße, verbunden werden.

Diese historische und gleichzeitig neue "Alte Salzstraße" führt heute vor allem durch ländliche Regionen, abseits des Touristenrummels oder der städtischen Hektik.

Salz im Mittelalter und die Böhmischen Steige

Die Alte Salzstraße von Halle nach Prag, die um das Jahr 970 Ibrahim ibn Jakub beschrieb.

Sicher, auch wir schätzen das Salz heute, doch die Bedeutung dieses „Weißen Goldes“ ging im Mittelalter über unsere heutige Verwendung weit hinaus. Neben der Tatsache, dass das „Salz in der Suppe“ als universelle Würze sogar sprichwörtlich geworden ist, war es vor allem als Konservierungsmittel unersetzbar. Generell gab es nur drei Möglichkeiten der Salzgewinnung: durch die Verdunstung von Meerwasser in Salzgärten, durch das Sieden von salzhaltiger Sole in Salinen und den bergmännischen Abbau von Steinsalz in Salzbergwerken.

Da viele Gebiete aufgrund geologischer Bedingungen, wie z.B. Böhmen, keinen Zugang zum Salz hatten, musste das kostbare Mineral oft über weite Strecken transportiert werden. Diese Transportwege wurden Salzstraßen genannt. Auch in Sachsen und Böhmen gab es einige solcher Salzstraßen. Einige führten ausgehend von den Salinen bei Halle (deswegen werde sie auch Hallische Salzstraßen genannt) in Richtung Osten und Süden durch Sachsen. Sie querten das Erzgebirge und verbanden Sachsen mit Böhmen. Im Erzgebirge werden sie seit altersher deshalb auch Böhmische Steige genannt.

Ibrahim Ibn Jacub

Eine dieser Verbindungen, vieleicht die Früheste, verlief von Halle nach Prag über Waldheim, Oederan, Sayda und Most. Diese „Alte Salzstraße“ wurde vermutlich schon um das Jahr 965 vom arabischen Kaufmann Ibrahim Ibn Jacub auf dem Weg von Magdeburg über Halle nach Prag benutzt.

Er beschreibt den Weg so:

"Der Weg von Magdeburg nach dem Land des Büyisläw: von dort (Magdeburg) nach der Burg Calbe sind es 10 Meilen und von da nach Nienburg 2 Meilen; das ist eine Burg aus Steinen und Mörtel gebaut, und sie liegt am Fluß Saale, in den der Fluß Bode mündet. Von der Nienburg bis zur Salzsiederei der Juden, welche ebenfalls an der Saale liegt, sind es 30 Meilen. Von da nach der Burg Würzen - sie liegt am Fluß Mulde ... und von da bis zum Rande des Waldes (Waldheim) 25 Meilen. Dieser mißt von seinem Anfang bis zu seinem Ende 40 Meilen und erstreckt sich über unwegsame Gebirge. Von dort (dem Wald) bis zur hölzernen Brücke über den Morast sind es etwa 2 Meilen. Vom Ende des Waldes betritt man nach einer Weile die Stadt Prag."

Die Stadt Prag beschreibt Ibrahim Ibn Jacub dann so:

"Die Stadt Prag ist aus Steinen und Kalk erbaut, und sie ist der größte Handelsplatz jener Länder. Zu ihr kommen aus der Stadt Krakau die Rus und die Slawen mit Waren, und es kommen zu ihnen aus den Ländern der Türken (= Ungarn) Muhamedaner, Juden und Türken gleichfalls mit Waren und gangbaren Münzen und führen von ihnen Sklaven, Zinn und verschiedene Felle aus. Ihr Land ist das beste von den Ländern des Nordens und das reichste an Lebensunterhalt. Für einen Pfennig verkauft man ihnen soviel Weizen, daß ein Mann daran für einen Monat genug hat, und man verkauft bei ihnen an Gerste für einen Pfennig das Futter von 40 Nächten für ein Reittier, und man verkauft bei ihnen 10 Hühner um einen Pfennig. In der Stadt Prag verfertigt man Sättel, Zäume und dicke Schilde, die in ihren Ländern im Gebrauch sind. Auch verfertigt man im Lande Böhmen dünne locker gewebte Tüchelchen wie Netze, die man zu nichts anwenden kann. Ihr Preis ist bei ihnen wertbeständig, 10 Tücher für einen Pfennig. Mit ihnen handeln sie und verrechnen sich untereinander. Davon besitzen sie ganze Truhen. Die sind ihr Vermögen und die kostbarsten Dinge kauft man dafür: Weizen, Sklaven, Pferde, Gold, Silber und alle Dinge. Seltsam ist, daß die Bewohner Böhmens braun und dunkelhaarig sind, der blonde Typus ist bei ihnen wenig vertreten."

Seine Reisebeschreibungen beschäftigen Heimatkundler und Historiker noch heute und oft streiten sie miteinander über die möglichen Interpretationen seiner Texte.

Salzhandel

...eine Handvoll Salz. Für uns heute ein Pfennigartikel - früher wurden Kriege ums Salz geführt.

Salz (Natriumclorid) ist Lebenswichtig: Natrium sorgt für die Regulation des Wasserhaushalts und ist für die Muskeln und Nerven unbedingt notwendig. Kein Wunder, dass Salz bei den Griechen als Göttergabe galt und ihm auch im Alten Testament eine besondere Bedeutung zukam. Die Salzgewinnung ist von den meisten Zivilisationen des Altertums bezeugt. Es ist jedoch anzunehmen, dass das Salz auch schon früher einen Platz in der Kultur der Menschen hatte. Schon die Sumerer und Babylonier nutzten Salz zur Konservierung von Lebensmitteln. In Rom bekamen die Legionäre ihr "Salär" (von lat.: Salarium) in Salz. Fast zu allen Zeiten, noch bis ca. 1900, wurde mehr Salz benötigt als hergestellt. Wie wertvoll Salz war, kann man daran ermessen, dass vom „weißen Gold“ gesprochen wurde.

Salz war das wichtigste Fernhandelsgut im Altertum und Mittelalter

Es war überall begehrt und in bestimmten Regionen rar. Durch Salz wurden viele Städte zu reichen Metropolen. So wurde zum Beispiel Lüneburg durch den Salzhandel im Nord- und Ostseeraum wohlhabend und einflussreich. In Böhmen war Salz immer knapp, da es hier keine natürlichen Lagerstätten gab. Die Städte, die an den Fernhandelswegen nach Böhmen lagen, profitierten deshalb auch vom Salzhandel. Sie konnten Zölle verlangen und machten davon oft auch ausgiebig Gebrauch. Bis ins 14. Jahrhundert war deshalb die "Alte Salzstraße" von Halle, Leipzig über Waldheim, Oederan, Sayda und Most (Brüx) nach Prag der wichtigste Fernhandelsweg durch das Erzgebirge. Erst mit dem Aufblühen von Freiberg durch den Silberbergbau und später, mit den zweiten Berggeschrei im 15.Jh und dem damit verbundenem Entstehen neuer Bergstädte im Westerzgebirge, verlor dieser Weg seine Bedeutung.

Salz bedeutete Reichtum und Macht

Im Mittelalter fußte das gesamte Finanzsystem auf dem Salzhandel. Salz war nicht nur zum Verzehr wichtig, sondern auch für die Konservierung von Lebensmitteln und das "produzierende Gewerbe" nötig. Zum Beispiel wurde bei der Verarbeitung von Fellen, in der Glas- und Keramikherstellung sowie bei der Metallveredelung viel Salz verbraucht. Im deutschsprachigen Raum wurde Salz erst erschwinglich, nachdem in Mittel- und Süddeutschland große Salzlager gefunden worden waren. Städte, die mit Salz in Verbindung stehen, tragen oft Salz- (oder das mittelhochdeutsche Wort Hall-) im Namen. Beispiele sind etwa Halle (Saale), Bad Reichenhall, Hallein, Hallstatt mit dem weltweit ältesten Bergwerk, Hall in Tirol, Schwäbisch Hall, Salzburg, Salzgitter, Bad Salzuflen, Bad Salzdetfurth, Salzkotten, Schweizerhalle und Bad Salzschlirf.

 
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